Prosit Neujahr! Studieren 2007.

Wenn man selbst einen Bachelor und Master studiert, verfolgt man mit großem Interesse jegliche Diskussion um die neuen Studiengänge, so habe ich manchmal das Gefühl. Klar, denken jetzt viele, das ist ganz normal. Ich finde das aber auch überaus wichtig! Immerhin hängt von der erfolgreichen Einführung der neuen Struktur vieles ab: Es geht um eine qualitativ gute Ausbildung von Studenten für den Arbeitsmarkt, auch um die des wissenschaftlichen Nachwuchs und überhaupt um das Ansehen deutscher Fachkräfte in unserer globalisierten Welt.

Was ist neu an der Ausbildung von Studierenden?

Spätestens seit Einführung von Bachelor und Master findet immer mehr Praxis Einzug in die Universität. Schließlich sollen die Studierenden fit für den Arbeitsmarkt werden, wird uns eingeredet. Das finde ich grundsätzlich gut. Raum für lange Studien und Zeit zur Reflexion bleibt aber kaum. Zum Studium gehört dafür eine Jagd nach Noten und Leistungspunkten.

„Überfällig ist nicht nur ein flexibler Zugang zu Bachelor und Master, sondern auch die Abschaffung der unsinnigen Unterscheidung in konsekutive und nicht konsekutive Studienfolgen,“ fordert Dieter Dohmen, Direktor des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS), in der Wochenzeitung DIE ZEIT vom 28. Dezember 2006. Nach einem Bachelor in Politik solle ein Master in Ökonomie oder Jura möglich sein und umgekehrt. Das ist alles gut und schön, bleibt nur zu fragen, wie das an der Hochschule umgesetzt werden kann – Dohmen fordert Brückenkurse; ob diese aber die notwendige „bedarfsorientierte Flexibilität“ bringen, darf bezweifelt werden.

Vernünftig ist jedoch die Ansicht, dass „ein Master direkt nach dem Bachelor“ genauso „normal sein“ wird wie „Bachelor, Arbeiten, Familie gründen und dann ein Masterstudiengang neben Beruf und Familie“. Der Augsburger Studiengang Medien und Kommunikation (MuK) weist bereits diese Tendenzen auf. Ich gehe sogar soweit und sage: Gut, dass der Studiengang dieses Profil hat! So bereichern sich die Lernenden gegenseitig und nehmen wesentlich mehr aus ihrem Studium mit.

Was bewirken die Studiengebühren?

Neu sind ab dem Sommer 2007 auch die Studiengebühren – in Bayern werden alle Studenten zunächst 500 Euro bezahlen, um einen materiellen Beitrag zu ihrem Fachstudium zu leisten. Was mit den Geldern geschieht, bleibt abzuwarten. Momentan scheinen sie tatsächlich zur Verwendung an die unterschiedlichen Hochschulen zu gehen. Das wiederum bedeutet, dass hier mehr Mitarbeiter und mehr Lehraufträge finanziert werden können. Weiter so!

Was nervt, sind die Kriterien für eine Befreiung von den Studiengebühren. Ich stelle mir ernsthaft die Frage, wer sich in Zukunft in Fachschaften oder anderen ehrenamtlichen Bereichen engagiert, wenn er dafür länger studieren und dann noch mehr zahlen muss. Es kann nicht sein, dass allein die Wahl in ein offizielles Amt von den Aufwendungen befreit. Nehmen wir allein die Fachschaft MuK: Ohne sie wäre der MuK-Studiengang nicht, was er in den letzten Jahren geworden ist. Und zwar ein über die Grenzen Bayerns hinaus bekannter Studiengang.

Bachelor und Universität – unvereinbar?

Grotesk ist auch, dass die Universitäten bei ihrem eigenen Nachwuchs Wert auf eine entsprechend lange Ausbildung legen. Das bedeutet: Mit einem Bachelor ist es nicht möglich, als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule zu arbeiten. Gut genug für die Wirtschaft sind Bachelorabsolventen aber, aha. Hier waren wohl Diploma und Magister am Werk, die den neuen Studienabschlüssen wenig vertrauen und sich später fragen werden: Wo sind all die guten Studenten hin?

Selbiges gilt für die aufwendige Akkreditierung, der sich alle Bachelor- und Masterstudiengänge unterziehen müssen. Das Verfahren wurde vermutlich auch am grünen Tisch und nicht unter Berücksichtigung der tatsächlichen Gegebenheiten an der Universität entwickelt. Kein Wunder also, wenn im Ausland bis heute das deutsche Diplom den neuen Abschlüssen vorgezogen wird.

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