E-Learning von oben
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E-Learning von unten oder von oben?
Ich finde es eine sehr spannende Frage, wie ein Prozess der Veränderung angegangen werden kann - von unten oder von oben? Sobald ein Veränderungsprozess von wenigen für viele Vorgesehen wird - dann entsteht eine Asymetrie - zumindest eine virtuelle - in der Organisationsstruktur. Die einen schieben, die anderen wollen vielleicht nicht oder vielleicht doch geschoben werden - um es mal überspitzt und mit schmunzeln auszudrücken ;-). Ich denke diese Asymetrie entsteht zunächst unabhängig von der Machtposition derjenigen, die einen Veränderungsprozess wünschen und für bestimmte Ziele "kämpfen".
Die Wahl der Mittel oder besser die Herangehensweise für den gewünschten Veränderungsprozess ist aus meiner Sicht aber entscheidend. Partizipiere ich an einem gemeinsamen Prozess in dem ich eine bestimmte Rolle einnehmen kann - und ermöglicht sich in diesem Prozess allen Beteiligten eine "Eigentümerschaft" - vor allem eine gedankliche - an dem Prozess - oder sehen sich die Entscheidungsträger als Macher (und gedankliche Eigentümer) des Prozesses?
Entscheider in Top-Down-Prozesse sind meines Erachtens in der Gefahr eher an der Zielgruppe vorbei zu planen - und vor allem die Zielgruppe nicht als vollwertigen Partner im Prozess zu integrieren. Top-Down-Strategien haben aber den Vorteil klarer Arbeitsteilung (Effizienz), flächendeckender Organisation, meist mehr Möglichkeiten auf Mittel und Personal zuzugreifen. Auf der anderen Seite fehlt Bottom-Up-Strategien in vielen Fällen einfach das entsprechende Mindestmaß an Organisation und gemeinsamer Handlungsfähigkeit, Mittel, Personal. Der Vorteil von Bottom-Up Strategien liegt klar in der Nutzung des lokalen Wissens - welches - so meine ich - meist zu sehr viel anschlußfähigeren (und Problemorientierten) Umsetzungsmodellen für alle Beteiligten führt.
Eine enge Verzahnung einer Bottom-Up Strategie mit einer Top-Down-Strategie erscheint mir daher als notwendig, um E-Learning für die Universität einzuführen. Eine solche Strategie ist möglicherweise auch eine organisationsentwickelnde Chance für die Universität als soziales System.
Um das zu erreichen dürfen Prozessbegleiter sich nicht an den Rändern des Geschehens positionieren - in den Büros der Entscheider und in Strategien um das "gemeine Volk" auch einzubeziehen. Vielmehr erscheint es mir wichtig sich in die Mitte zwischen Top und Bottom zu begeben, und hier zu vermitteln. Reale Bedürfnisse lebendig nach "oben" kommunizieren (was über blosses informieren über Berichte und Datensammlungen hinausgeht) und strategische Probleme auch "unten" zur Debatte stellen. "Kleine" Projekte wie sie im E-Learningbereich vielerorts innerhalb der Unis entstanden sind sind Kraft- und Ideenmotoren. Diese zu Konsolidieren birgt für den Prozess ein Potential an Erfahrungs- und Problemösewissen, welches es für den Gesamtprozess zu gewinnen gilt. Gleichzeitig kann nach allen Regeln der IT trotzdem alles "schöner" und "total vernetzter" gemacht werden. Voraussetzung für eine gewinnbringende Konsolidierung ist aus meiner Sicht, dass man es schafft, die Eigentümerschaft des Entwicklungsprozesses mit den eigentlich Betroffenen gemeinsam zu tragen, und dass auch so zu kommunizieren.
Ein solcher Strategieansatz ist möglicherweise nicht leicht vermittelbar - fordert er doch zwei Dinge, die eigentlich als Gegensatz gelten. Dennoch denke ich, dass in der Synthese der Gegensätze hier der Schlüssel liegt.
Das Middle-Up-Down-Model (Nonaka, Takeuchi 1995) finde ich einen interessanten Denkansatz, der in dieses Richtung geht. Das Problem ist aber, dass in der sozialen Organisatione Uni die Mitte mehr und mehr verschwindet. Kein oder wenig Mittelbau. Etwa eine Parallele zu der von Nonaka, Takeuchi auch beschrieben Entwicklung in der freien Wirtschaft? Mittelbau als mittleres Management?
Danke für das Panel
Hallo Panel-Team,
ich möchte mich mal dafür bei euch bedanken, dass ihr dieses das Panel so gut vor- und auch nachbereitet habt. Denn so habe ich auch noch was zu Hause davon und kann mich zu Überlegungen anregen lassen :-)



E-Learning von unten oder von oben ? Beides !
Mit Spannung habe ich Deinen Kommentar zu diesem Thema gelesen. Bei der Frage nach Veränderung von oben oder von unten denke ich lohnt der Blick in die Geschichte. Veränderungen haben meist stattgefunden, wenn Sie von unten kamen. Die Gründung der Gewerkschaften, die in der Märzrevolution von 1848 stattfand und in der Bildung der Association der Zigarrenarbeiter mündete, ist ein solches Beispiel. Erst durch die Revolution von unten kam es für viele Arbeiter zu Verbesserungen ihrer Arbeitsbedingungen oder Fragen der Arbeitssicherheit. Auch viele andere Verbesserungen der Lebensbedingungen wurden gegen erhebliche Widerstände eingeführt: das Frauenwahlrecht, Einhaltung von Umweltschutzrichtlinien oder Galileis Aussage, die Erde wäre rund.
Was aber hat das nun alles mit E-Learning zu tun ? Bei der Frage, ob die Erde rund ist oder nicht geht es um ein „Richtig“ oder „Falsch“. Beim E-Learning denke ich geht es um ein „sowohl als auch“. Aus geschichtlicher oder politikwissenschatlicher Perspektive käme es dadurch nicht zu der Frage, welche "Ideologie" sich durchsetzt. Es geht aber um die Ergänzung einer Ideologie. In diesem Fall: Wie soll die Zukunft der Lehre aussehen? E-Learning stellt eine sinnvolle Ergänzung zur traditionellen Lehre dar. Neben den Vorteilen der Ortsunabhängigkeit haben Computer den Einzug in alle Lebensbereiche erhalten. Und so lernen wir am Computer ebenso wie wir auch Musik hören oder Filme anschauen. Somit geht es im Bereich des E-Learning nicht um eine Revolution oder einen Coup d'etat. Niemand möchte die etablierte Präsenzlehre abschaffen - aber ergänzen und den Computer als Lebensraum des Lernens hinzufügen.
Ich sehe es so wie Du: Eine enge Verzahnung einer Bottom-Up Strategie mit einer Top-Down-Strategie ist notwendig. Keine Revolution, sondern ein miteinander. Die Einsicht, dass der Computer Bestandteil unser allen Lebens ist sollte von Entscheidungsträgern erkannt werden, genauso wie die Forderung von unten, das digitale Lernen stärker einzufordern. Das ist wie in der Geschichte der Vereinten Nationen: Ziel ist das miteinander, nicht das gegeneinander. Übertragen auf Entscheidungsebenen der Bildung heißt das: Nur ein Miteinander bringt eine positive Veränderungen. Schliesslich ist das Wesen der Geschichte Wandlung, sagte de Schweizer Geschichtswissenschaftler Burckhardt. Durch Wandlung entsteht Neues – und Neues kann Zukunft bedeuten. „Ich lerne vom Leben. Ich lerne solange ich lebe. So lerne ich noch heute“ sagte Bismarck. Und wer weiß, vielleicht hätte er auch mit E-Learning gelernt, hätte es das schon gegeben.